Sonntag, 12. September 2010

Mein Wochenende in Tokio

Shibuya bei Nacht

Wie ich im letzten Blogeintrag geschrieben habe, bin ich am Freitag noch losgezogen um das Nachtleben in Tokio zu erkunden. Nach mehreren Vorschlägen bin ich nach Shibuya gefahren, um in den Club „Womb“ zu gehen. Als ich ungefähr um 24 Uhr am Bahnhof angekommen bin war ich richtig überrascht wie viel hier los war! Am Mittwoch waren bei Tage hier bei weitem nicht so viele Menschen unterwegs. 
Nachdem ich im Womb die rund 35 € Eintritt gezahlt habe und mich ein wenig umgeschaut habe, wusste ich sie waren es wert. Ein wirklich guter Club auf vier Etagen und sehr guter elektronischer Musik. Also ich wusste ja, dass sich die Japaner mit Elektronik auskennen, aber bis jetzt nicht, dass da die Musik auch dazu zählt. Bis um 5 Uhr morgens habe ich getanzt, Leute kennen gelernt und auch mal ein Bier getrunken, bis ich mich mit der ersten U-Bahn auf dem Weg zum Fischmarkt gemacht habe. 
Der Tsukiji-Fischmarkt ist weltweit der größte Markt für Fisch und Meeresfrüchte. Bereits um 3 Uhr werden hier jeden Tag die frisch gefangenen Fische entladen und um 5 Uhr beginnen die Fisch-Auktionen, bei denen Touristen der Zutritt aber nur mit besonderer Genehmigung gewährt wird. Also bin ich durch die Stände gegangen. Einige waren noch fleißig am Filetieren der bis zu 300 kg schweren Thunfische, andere besorgten neues Eis um den Fisch frisch zu halten und wiederum andere putzten ihren Stand noch einmal bis um 7 der Verkauf eröffnet. Hier sieht man wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann, vom Tintenfisch bis hin zu etwas Undefinierbaren. Doch lange konnte ich nicht bleiben, denn ich musste noch einmal zum Hotel, wo ich nur schnell duschen war,  um meine Sachen für den zweiten Judo-Tag zu holen. 
Der zweite Tag verlief leider wieder für die Deutschen ohne Erfolg. Wie auch am Donnerstag sind alle Kämpfer in der Vorrunde ausgeschieden. Spannend war es aber trotzdem wieder auch wenn ich meine Deutschlandfahne nicht mehr schwenken konnte. Um halb neun war der Wettkampf zu Ende und ich konnte wieder ins Hotel fahren. Nach einem kleinem Abendessen bin ich endlich ins lang ersehnte Bett gefallen. 
Heute morgen habe ich deshalb auch gleich verschlafen. Eine halbe Stunde später als geplant bin ich erst aufgestanden und musste deshalb ziemlich hetzen, dass ich die ersten Vorrundenkämpfe der Judo Weltmeisterschaft nicht verpasse. Zehn Minuten bin ich nur zu spät gekommen, so dass ich das Wichtigste gesehen habe. Heute gab es auch etwas Erfreulicheres aus deutscher Sicht: Romy Tarangul in der Gewichtsklasse bis 52 kg hat es bis in den Kampf um Platz 3 geschafft. Hier verlor sie aber leider gegen die starke Mongolin Bundmaa Munkhbaatar und musste sich mit dem fünften Platz zufrieden geben. Seit 15 Jahren ist es das erste Mal, dass die Deutschen Frauen bei einer Judo Weltmeisterschaft ohne Medaille nach Hause fahren mussten.
In der Mittagspause bin ich heute Sushi essen gegangen. Nur zehn Minuten von der Halle entfernt habe ich ein Restaurant gefunden. Das ist nämlich gar nicht so leicht hier in Tokio. Es gibt zwar etliche Gaststätten aber nur wenige bieten den rohen Fisch an. Die vorbeifahrenden Tellerchen haben mich aber überhaupt nicht an ein deutsches Sushi-Restaurant erinnert. Hier gibt es viel ausgefallenere Speisen. An die meisten habe ich mich auch nicht ran getraut, da man hier nach Teller zahlen muss und ich nicht drei Euro für einen auf dem etwas ist das schon komisch aussieht riskieren wollte. Aber den Sushi, den ich gegessen habe war sehr köstlich. Der rohe Thunfisch ist förmlich auf meiner Zunge zergangen.
Shinto-Brautpaar
Nachdem ich satt war habe ich mich auf den Weg zum Meiji-Schrein gemacht, der sich ebenfalls gleich neben dem Yoyogi National Gymnasium befindet. Der Weg bis zum Schrein führt durch einen kleinen (Ur-)Wald: Dichter Bewuchs an beiden Seiten mit Farnen Sträuchern und teilweise auch Palmen und das Zirpen von Grillen und sonstigem Ungeziefer haben mich irgendwie an ein Dschungelszenario erinnert.
Am Tor des Shinto-Schreins angekommen fiel mir sofort wieder das „Waschbecken“ auf, an dem sich die Besucher wieder fleißig wuschen. Als ich gerade in den Innenhof der Anlage gehen wollte befahl mir ein Polizist mich an den Rand zu stellen und ich wusste, dass jetzt etwas Besonderes passiert. Es war eine Hochzeit! Ein traditionell gekleidetes Brautpaar schwebte den Weg entlang um sich im shintoistischen Stil das Ja-Wort zu geben. Das nächste was mir aufgefallen ist, war eine Wand mit zahlreichen Holztäfelchen. Auf diese Tafeln schreibt man einen Wunsch auf und hofft er geht in Erfüllung.
Wunschtäfelchen
Ich habe keine Holztafel an die Wand gehängt. Mir ist nach zehn Minuten überlegen immer noch nichts eingefallen. Ich bin wohl wunschlos glücklich.
Bis bald!
Basti

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